Caduceus


Naturheilkunde
 

25.08.2010

Neuer Online-Kurs: Burn-Out-Syndrom

Auf der eLearning-Plattform naturheilseminare.com ist seit kurzem ein neuer Online-Kurs "Naturheilkundliche Vorbeuge und Behandlung des Burn-Out-Syndroms" verfügbar.

 

Diese Internetseite hat es sich zur Aufgabe gemacht, naturheilkundliche Kurse zu aktuellen medizinischen Themen zu günstigen Konditionen anzubieten. So finden sich auf der Seite neben einem kostenlosen Basiskurs Kurse zur naturheilkundlichen Behandlung von Allergien und chronischen bakteriellen Infektionen.

 

Stress, Depressionen und Burn-Out haben sich zur Volkskrankheit Nummer eins entwickelt. Das Burn-Out-Syndrom findet sich regelmäßig in den Top Ten der Ursachen für die Arbeitsunfähigkeit – Tendenz steigend.

 

In diesem Intensivkurs von Dr.Dr. Peter Schneider werden die Ursachen des Burn-Out-Syndroms aus naturheilkundlicher Sicht aufgezeigt und Möglichkeiten zur Vorbeuge und Therapie erläutert. Der Kurs enthält fünf Videoclips und ist sehr praxisnah und ausführlich.

 

Dr. Schneider ist Anthropologe und Tierarzt und beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit den naturwissenschaftlichen Hintergründen der Naturheilkunde. Seine Onlinekurse resultieren aus jahrzehntelanger Erfahrung in Forschung, Wissenschaft und Praxis sowie aus seiner langjährigen Seminar- und Beratungstätigkeit.

 

Internetseite: http://www.naturheilseminare.com

17.03.2010

Uniklinik Frankfurt setzt auf Natur im Kampf gegen Krebs
Neue Fachrichtung Komplementäre Onkologie integriert Naturheilverfahren in die schulmedizinische Krebsbehandlung

Das Klinikum der J.W. Goethe-Universität baut als erstes Onkologisches Spitzenzentrum in Deutschland den Bereich Komplementäre Onkologie aus. Schulmedizinische und natürliche Therapieformen werden in der so genannten Komplementären Onkologie am Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) zusammengeführt. Am UCT arbeiten alle Krebsspezialisten eng zusammen, es ist von der Deutschen Krebshilfe als Onkologisches Spitzenzentrum ausgezeichnet.
Niedergelassene Ärzte und Patienten können sich ab sofort in einer neu gegründeten Beratungsstelle über Therapien aus der Naturheilkunde informieren. Die wissenschaftliche Erforschung natürlicher Behandlungsmethoden soll ebenso vorangetrieben werden.

Komplementärmedizin

Die Komplementäre Onkologie versteht sich als Teil der wissenschaftlichen Medizin und will Beschwerden bei Tumorerkrankungen sowie Nebenwirkungen der Krebsbehandlung lindern. Im Unterschied zur Alternativmedizin werden die Therapien begleitend und nicht ersatzweise zur Schulmedizin durchgeführt. So genannte sanfte Therapien sollen die schulmedizinische Behandlung unterstützen und die persönliche Betreuung der Patienten fördern. Die Verwendung einfacher und natürlicher Methoden ermöglicht es Patienten und Angehörigen, selbst zum Therapieerfolg beizutragen und im Kampf gegen den Krebs aktiv zu werden. Beispielsweise belegen Studien, dass Übelkeit als häufige Nebenwirkung einer Chemotherapie durch Ingwer gelindert werden kann. "Für die Komplementäre Onkologie ist es wichtig die Kompetenz des Patienten und seine Eigenverantwortung wahrzunehmen und zu stärken", erklärt Dr. Jutta Hübner, Ärztliche Leiterin der Komplementären Onkologie des Klinikums der J.W. Goethe-Universität.

Die Komplementärmedizin umfasst viele weitere Felder wie Pflanzenheilkunde und Nahrungsergänzungsmittel. Jedoch können auch natürliche Behandlungsmittel Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen. So kann die Einnahme von Johanniskraut während einer Chemotherapie deren Wirkung negativ beeinflussen. Deshalb sollten auch natürliche Behandlungsmethoden speziell auf die jeweilige schulmedizinische Krebsbehandlung abgestimmt werden. In der Ambulanz für komplementäre Therapien des Klinikums der J.W. Goethe-Universität können sich Betroffene ab sofort durch persönliche Beratung über Therapiemöglichkeiten informieren. Prof. Dr. Claus Rödel, Klinischer Direktor des UCT bekräftigt: "Als Onkologen wissen wir, dass viele Krebspatienten - meist ohne Abstimmung mit Ihrem Arzt - verschiedenste frei erhältliche Extrakte aus Pflanzen und Tieren sowie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Hier im UCT wollen wir Patienten ermöglichen, sich umfassend zu informieren - um auf dieser Basis mit ihren Ärzten gemeinsam zu entscheiden, was sinnvoll ist und was nicht." Prof. Dr. Joachim Steinbach, Leiter des Dr. Senckenbergischen Instituts für Neuroonkologie, berichtet von seinen Erfahrungen mit Betroffenen: "Unter den von mir betreuten Hirntumorpatienten besteht in aller Regel ein großer Informations- und Beratungsbedarf bezüglich komplementärmedizinischer Methoden. Durch die Einrichtung der Komplementären Onkologie können wir dem gerecht werden und zu transparenten, sicheren und für Patienten wie Arzt befriedigenden Lösungen kommen."

Ganzheitliche Krebsbehandlung am UCT

Die Komplementäre Onkologie ist Bestandteil des ganzheitlichen Behandlungskonzepts des UCT. Verschiedene medizinische Fachrichtungen wurden vernetzt, um die bestmögliche Behandlungsstrategie für den Patienten festlegen zu können. In der Komplementären Onkologie soll neben der Beratung vor allem die Erforschung von natürlichen Behandlungsmethoden im Vordergrund stehen. "Wir stehen hier noch ganz am Anfang. Viele wirksame Krebsmedikamente wurden ursprünglich aus Pflanzen gewonnen. Bei den meisten komplementärmedizinischen Methoden steht ein Wirksamkeitsnachweis noch aus. Das wollen wir ändern. Wahrscheinlich werden einige Substanzen und Methoden wirksam sein, und viele nicht. Es ist der Auftrag des UCT, hier einen Beitrag in deren Erforschung zu leisten", berichtet Prof. Dr. Hubert Serve, Wissenschaftlicher Direktor des UCT.

Über das Klinikum der J.W. Goethe-Universität

Das Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main, gegründet im Jahr 1914, zählt zu den führenden Hochschulkliniken Deutschlands. Es bietet seinen Patientinnen und Patienten eine bestmögliche medizinische Versorgung in 24 Fachkliniken. Der enge Bezug zur Wissenschaft - Klinikum und Fachbereich Medizin betreiben zusammen 24 Forschungsinstitute - sichert den Patientinnen und Patienten eine zeitnahe Umsetzung neuer Erkenntnisse in die therapeutische Praxis. 1.250 Betten stehen zur Verfügung. Zahlreiche Institute widmen sich medizinisch-wissenschaftlichen Spezialleistungen. Jährlich werden 46.000 stationäre und 170.000 ambulante Patienten betreut. Besondere interdisziplinäre Kompetenz besitzt das Universitätsklinikum unter anderem auf den Gebieten der Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse sowie der Herzchirurgie nimmt es besondere Aufgaben der überregionalen medizinischen Versorgung wahr. 3.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Patientinnen und Patienten. Weitere Informationen über das Klinikum der J.W. Goethe-Universität finden Sie unter http://www.kgu.de.

Für weitere Informationen:

Dr. med. Jutta Hübner
Ärztliche Leiterin der Komplementären Onkologie
Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen (UCT)
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fon: (0 69) 63 01 - 58 14
Fax: (0 69) 63 01 - 50 91
E-Mail: jutta.huebner@kgu.de

03.12.2009

Studie belegt Zusammenhang zwischen Tabakrauch und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern
Neuherberg. Kinder, die während ihrer frühen Entwicklung Tabakrauch ausgesetzt sind, können bis zum Alter von etwa zehn Jahren Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Dies haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München zusammen mit Kollegen der Ludwig-Maximilians-Universität München im Rahmen der GINI-Plus-Studie herausgefunden. Besonders negativ macht sich der Einfluss des Tabakrauches während der Schwangerschaft bemerkbar. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives veröffentlicht.
"Wir konnten zeigen, dass Kinder, die während der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren Tabakrauch ausgesetzt sind, im Schulalter gehäuft Verhaltensauffälligkeiten entwickeln", sagt Dr. Joachim Heinrich vom Institut für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. Dabei macht es für die kindliche Entwicklung einen Unterschied, ob das Kind erst nach der Geburt oder schon während der vorgeburtlichen Entwicklung mit Tabakrauch konfrontiert wurde.

Kinder, die ausschließlich vor der Geburt durch Tabakrauch belastet wurden, haben der Studie zufolge ein 1,9-fach erhöhtes Risiko, Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. Das Risiko bei Kindern, die erst nach der Geburt Tabakrauch exponiert waren, war immer noch um den Faktor 1,3 erhöht. Kinder, die sowohl vor als auch nach der Geburt in einer Raucherumgebung aufwuchsen, hatten ein 2-fach erhöhtes Risiko, Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. Dazu zählen unter anderem Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizite, oder Störungen in der Beziehung mit Gleichaltrigen. Die Ergebnisse der Studie wurden sorgfältig mit der sozialen Lage der Familien abgeglichen. Ein Zusammenhang mit prekären Familienverhältnissen konnte ausgeschlossen werden.

In der GINI-plus-Studie begleiten Heinrich und seine Kollegen eine große Geburtenkohorte. Die Studie schließt 5991 Kinder ein, die zwischen 1995 und 1998 geboren wurden. Umfangreiche Folgestudien werden sich anschließen. Ein auf das Verhalten drei- bis 16jähriger Kinder ausgelegter standardisierter SDQ-Fragebogen (Strength and Difficulties Questionnaire) bewertet.

"Der Wert unserer Studie liegt nicht zuletzt in dem prospektiven Untersuchungsansatz und der umfassenden Befragung zu möglichen Belastungen der Ungeborenen, Säuglinge und Kinder zu verschiedenen Zeiten", berichtet Heinrich. Dies ermögliche es, die Auswirkungen vor- und nachgeburtlicher Rauchbelastung differenziert zu entschlüsseln.

Zur Absicherung ihrer Ergebnisse aus den Befragungen kontrollierten die Wissenschaftler im Rahmen ihrer Erhebung auch den Gehalt an Nikotin in der Raumluft sowie Cotinin, einem Abbauprodukt von Nikotin, im Urin der teilnehmenden Kinder. "Die Übereinstimmung mit den Daten aus den Fragebögen lag bei über 93 Prozent", fasst Simon Rückinger, Erstautor der Studie, zusammen.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass Tabakrauch auch auf die Verhaltensentwicklung von Kindern wesentlichen Einfluss nimmt. Dabei spielt der Einfluss während der Schwangerschaft eine größere Rolle als die Belastung der Kinder nach dieser sensiblen Entwicklungsphase. Aber auch allein der Aufenthalt von Kindern in verrauchten Räumen ist mit einem erhöhten Risiko für Verhaltensauffälligkeiten verbunden.

Weitere Informationen

Originalpublikation: Rückinger S, Rzehak P, Chen C-M, Sausenthaler S, Koletzko S, Bauer C-P, Hoffmann U, Kramer U, Berdel D, von Berg A, Bayer O, Wichmann H.-E., von Kries R, Heinrich J: Prenatal and Postnatal Tobacco Exposure and Behavioural Problems in 10 Year Old Children: Results from the GINI-plus Prospective Birth Cohort Study, Environmental Health Perspectives doi:10.1289/ehp.0901209.

GINI: Die 1995 gestartete Studie GINI und ihre Follow up-Studie GINI plus (German Infant Study on the influence of Nutrition Intervention PLUS environmental and genetic influences on allergy development) untersuchen die Gesundheit von Kindern in Deutschland. Ziel der prospektiven Geburtskohortenstudie ist es, den Einfluss von Ernährung, Umwelteinflüssen und genetischer Prädisposition auf die Gesundheit von Kindern zu untersuchen. Etwa 6000 Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren sind in die Studie einbezogen. Neben dem Helmholtz Zentrum München beteiligen sich die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München sowie das Institut für Umweltmedizinische Forschung der Universität Düsseldorf an der groß angelegten Studie.

Das Institut für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München beschäftigt sich mit methodischen Fragen der Quantifizierung kleiner Risiken, mit der Auswirkung von Partikeln und Luftschadstoffen auf die Lunge und das Herzkreislaufsystem sowie der regionalen Verteilung und Entwicklung von Atemwegserkrankungen und Allergien. Ein neuer Schwerpunkt des Instituts ist die molekulare Analyse von komplexen Erkrankungen (z.B. Asthma, Typ 2 Diabetes, Herzinfarkt). Zentrales Ziel ist es, die Rolle von Umwelteinflüssen und genetischen Veranlagungen auf die menschliche Gesundheit mit epidemiologischen Methoden zu untersuchen.

Das Helmholtz Zentrum München ist das deutsche Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt. Als führendes Zentrum mit der Ausrichtung auf Environmental Health erforscht es chronische und komplexe Krankheiten, die aus dem Zusammenwirken von Umweltfaktoren und individueller genetischer Disposition entstehen. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 1700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens auf einem 50 Hektar großen Forschungscampus. Das Helmholtz Zentrum München gehört der größten deutschen Wissenschaftsorganisation, der Helmholtz-Gemeinschaft an, in der sich 16 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit insgesamt 26500 Beschäftigten zusammengeschlossen haben.

Sven Winkler
Helmholtz Zentrum München, Pressesprecher
089/3187-3946
e-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

02.11.2009

Alzheimer-Demenz beginnt mit geschädigter Zellatmung
(siehe auch den Beitrag über die "Tuberkulinische Konstitution")
FRANKFURT. Aus seltenen genetischen Defekten, die etwa 5 Prozent aller Alzheimer-Demenzen verursachen, können Forscher viel über die Entstehung der Krankheit lernen. Inzwischen weiß man, auf welche Mutationen die charakteristischen, bereits von Alzheimer beschriebenen Plaques und Fibrillen in den Nervenzellen bestimmter Gehirnareale zurückzuführen sind. Der funktionelle Zusammenhang zwischen diesen genetischen Defekten lag aber bisher im Dunkeln. In Kooperation mit Kollegen aus der Schweiz und Australien konnten Wissenschaftler des Exzellenzclusters 'Makromolekulare Komplexe' der Goethe-Universität nun erstmals zeigen, dass die Mitochondrien - die 'Kraftwerke der Zelle' - dabei eine zentrale Rolle spielen.

Plaques und Fibrillen sind das Ergebnis eines gestörten Stoffwechsels im Gehirn: Proteine und ihre Bruchstücke werden entweder nicht mehr richtig verarbeitet oder in zu großer Menge produziert. Das Ergebnis sind Verklumpungen in Form von Plaques aus dem Amyloid-Protein sowie Bündel aus Tau-Protein (Fibrillen). Verursacht werden sie durch Mutationen im 'Amyloid Precursor Protein' und im 'Presenelin-2' sowie im 'Tau-Protein'. Durch Untersuchung von Mäusen, in denen alle drei Mutationen eingebracht worden waren, konnte das internationale Forscherteam nachweisen, dass als Folge dieser Mutationen spezifische Defekte im Energiestoffwechsel des Gehirns auftreten.

Wie die Forscher in der heutigen Online-Ausgabe der renommierten Proceedings of the National Academy of Sciences USA berichten, konnten sie bereits in einem sehr frühen Krankheitsstadium Veränderungen in der Atmungskette der Mitochondrien beobachten. Die Menge und Aktivität der Proteinkomplexe, die für die Zellatmung zuständig sind, änderte sich auffällig. Entscheidend war aber, dass die Effekte der Mutationen, die zu Plaques und Fibrillen führten, sich additiv verhielten. Daraus konnte geschlossen werden, dass in jedem Fall schon zu einem frühen Zeitpunkt Probleme in den Mitochondrien an der Entstehung der Alzheimer Demenz beteiligt sind.

"Dieses Ergebnis zeigt wieder einmal, wie wichtig der Frankfurter Forschungsschwerpunkt im Bereich der mitochondrialen Biologie für das Verständnis und damit mögliche Therapieansätze bei den neurodegenerativen Erkrankungen im Alter ist," betont Prof. Ulrich Brandt, dessen Arbeitsgruppe am Fachbereich Medizin an diesen Arbeiten beteiligt war. Die Koordinatorin der Studie, Prof. Anne Eckert, hat noch vor kurzem am pharmakologischen Institut im Biozentrum der Goethe-Universität geforscht und konnte mit dieser Arbeit ihre Forschungen zur Alzheimer Demenz erfolgreich an der Universität Basel fortsetzen.

Informationen: Prof. Ulrich Brandt, Zentrum der Biologischen Chemie, Campus Niederrad (Klinikum), Tel: (069) 6301-6926, brandt@zbc.kgu.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
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Internet: www.uni-frankfurt.de

24.10.2009

Klostermedizin: Altes Heilwissen erforscht
Die medizinische Versorgung im Mittelalter lag vor allem in den Händen der Nonnen und Mönche in den Klöstern. Die von ihnen praktizierte Kräuterheilkunde intensiv zu erforschen, ist zentrales Anliegen der Forschungsgruppe Klostermedizin. Im Botanischen Garten der Universität mit seiner umfangreichen Arzneikräutersammlung hat die Gruppe unlängst ihr 10-jähriges Bestehen mit einem Symposium gefeiert.

Die Forschungsgruppe besteht seit 1999 und ist eine Ausgründung aus dem Institut für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg. Die Universität stellt Räume und Ausstattung zur Verfügung. Der Sprecher der Gruppe, der Medizinhistoriker Dr. Johannes Gottfried Mayer, ist auch in die Lehre eingebunden und betreut Doktorarbeiten in der Pharmazie und in der Medizin. Finanziert wird die Forschungsgruppe zum größten Teil durch die Abtei Pharma Vertriebs GmbH.

Um den Arzneipflanzenschatz der Klostermedizin, die auch als traditionelle europäische Medizin verstanden werden kann, möglichst komplett zu dokumentieren, versuchen die Wissenschaftler alle Kräuter- und Arzneihandbücher von der Spätantike (circa 60 nach Christus) bis ins 16. Jahrhundert zu erfassen und zu analysieren. Dazu arbeiten sie die für die Pflanzen damals üblichen Indikationen und Anwendungen heraus und vergleichen diese mit dem heutigen modernen Stand der Forschung. Gelegentlich ergeben sich darüber auch neue Anwendungen für längst bekannte Arzneikräuter.

Ein Name für verschiedene Heilkräuter

Da es im Mittelalter keine feste Nomenklatur dafür gab, sehen sich die Forscher bei dieser Arbeit nicht selten mit ganz verschiedenen Namen für eine Pflanze konfrontiert: So wird die Schlüsselblume unter anderem Primula veris, Gichtkraut, Himmels- oder auch Petrusschlüssel genannt. Schwieriger wird es noch, wenn eine Bezeichnung für verschiedene Pflanzen verwendet wurde. Solidago zum Beispiel, womit im Mittelalter Beinwell gemeint war, steht in neuerer Zeit für die Goldrute. "Da geht man dann furchtbar in die Irre, wenn man das nicht weiß", sagt Johannes Mayer. Und nachdem die Kräuterbücher im Mittelalter nur spärlich oder gar nicht bebildert waren, finden sich in dieser Zeit auch nur selten Illustrierungen, die Aufschluss geben könnten.

Besonders im 15. und 16. Jahrhundert ist es aber auch immer wieder zu folgenreichen Verwechslungen gekommen. In ihrem Bemühen, ihre Texte inhaltlich abzusichern, hätten die Drucker in den nun neu erscheinenden Büchern versucht, alles auf die alten Autoritäten, die Gelehrten aus der Antike, zu beziehen, berichtet Mayer. So kam es zum Beispiel, dass der Hopfen - Humulus lupulus - der in Europa erst im Mittelalter zur Arzneipflanze wurde, plötzlich bei Erkältungskrankheiten eingesetzt wurde - einer Indikation also, die die arabischen Gelehrten in ihren medizinischen Schriften von alters her Volubulis zugeschrieben hatten, womit allerdings der Efeu gemeint war. "Und es hat 200 Jahre gedauert, bis das jemand gemerkt hat."

Knapp 600 Heilpflanzen hat die Forschungsgruppe mittlerweile grob erfasst, etwa 120 davon - von Baldrian über Beinwell, Hopfen, Fenchel, Ingwer und Zimt - sind ausführlicher bearbeitet. Die Ergebnisse fließen in eine ausführliche Datenbank ein. Das bislang wichtigste Projekt, das Handbuch der Klosterheilkunde, 2002 erstmals erschienen, liegt mittlerweile in der 11. Auflage vor und wurde bereits 200 000 Mal verkauft. Aktuell arbeiten die Forscher daran, das vorhandene Bildmaterial auszuwerten. "Durch die Abbildungen kommt man auch an die Unterarten der Pflanzen ran. Deren Besonderheiten zu erkennen, hätte man im Text keine Chance", erklärt Mayer. "Aber im Bild erkennt man sofort: Das ist eine ganz speziell Art von Königskerze."

In der Forschungsgruppe sind neben Johannes Mayer die beiden Würzburger Pharmazeutinnen Heike Will und Katharina Mantel beteiligt sowie der Altphilologe Dr. Konrad Goehl, der die oft schwer zu entschlüsselnden Quellen zunächst aus dem Lateinischen übersetzt und transkribiert. Dr. Bernhard Uehleke (Freie Universität Berlin) bringt sich mit seiner Expertise zu Naturheilverfahren ein, Dr. Sabine Anagnostou (Universität Marburg) ist Spezialistin für Missionsmedizin, also die Kenntnisse über Heilpflanzen, die die Mönche aus den Kolonien mitgebracht haben. Nicht zuletzt ist der Zisterzienserpater Dr. Herrman Josef Roth, promovierter Biologe und Ordenshistoriker aus Bonn, ein "wichtiger und kritischer Begleiter". Er sei ein ausgewiesener Experte zur Geschichte der Benediktiner und Zisterzienser, berichtet Johannes Mayer. Vor allem aber habe er für die Forschergruppe schon manche Pforte geöffnet: "Durch ihn bekommen wir Zugang zu Bibliotheken von Frauenklöstern, in die wir sonst niemals reinkommen würden."

Kontakt: Dr. Johannes Gottfried Mayer, T (0931) 83264, E-Mail: johannes.mayer@mail.uni-wuerzburg.de

1.10.2009

Warum wir häufiger Tango tanzen sollten
Der erotische Tanz hemmt Stresshormone und vermehrt Testosteron, fand eine kolumbianische Psychologin an der Goethe-Uni heraus
FRANKFURT. Tango tanzen hebt nicht nur die Stimmung, sondern hat auch einen nachweisbaren Einfluss auf die Ausschüttung von Stress- und Sexualhormonen. Während das mit Stress assoziierte Hormon Cortisol beim Tanzen abnimmt, schüttet der Körper beider Partner in erhöhtem Maß das Sexualhormon Testosteron aus. Das fand die kolumbianische Psychologin Cynthia Quiroga Murcia im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Goethe Universität heraus. Wie sie in der Fachzeitschrift "Music and Medicine" berichtet, entnahm sie 22 Paaren vor und nach dem Tanzen Speichelproben, in denen sie die Hormonkonzentration ermittelte und bat die Tänzerinnen und Tänzer zusätzlich um eine Einschätzung ihrer Emotionen mithilfe eines standardisierten Testbogens.

"Ich bin selbst Tango-Tänzerin und als Kolumbianerin, die seit vier Jahren in Deutschland lebt, sehr überrascht, dass das Tanzen hier eine geringe Rolle in der Freizeitunterhaltung spielt", sagt Quiroga Murcia über die Motivation zu ihrer Studie. Bei ihrem Doktorvater Prof. Stephan Bongard stieß die DAAD-Stipendiatin dabei sofort auf Interesse: Zusammen mit Prof. Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg hatte Bongard vor einigen Jahren in einer anderen Studie die emotionalen und hormonellen Effekte des Chorsingens ergründet - und zwar im Vergleich zum passiven Hören von Musik. "Die hormonellen Reaktionen können von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst werden", erklärt Bongard, der mit Kreutz ebenfalls an der Tango-Studie beteiligt war. Zur hormollen und emotionalen Reaktion auf das Tanzen gibt es bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen.

Um herauszufinden, ob die positiven psychobiologischen Effekte des Tango-Tanzens eher auf die Musik, die Bewegung oder die Berührung mit einem Partner zurückgehen, untersuchte Cynthia Quiroga Murcia die Faktoren getrennt und in verschiedenen Kombinationen. Es zeigte sich, dass die Reduktion des Stresshormons Cortisol vor allem der Musik zu verdanken ist, während die Ausschüttung von Testosteron auf den Kontakt und die Bewegung mit dem Partner zurückgeht. Treffen alle drei Faktoren zusammen, sind die positiven hormonellen und emotionalen Reaktionen am stärksten. Damit bestätigt sich die empirische Erkenntnis von Paartherapeuten, die Tango-Tanzen seit Neustem dazu einsetzen, verfahrene Beziehungen zu retten.

Informationen: Cynthia Quiroga Murcia, Institut für Psychologie, Campus Bockenheim, Tel: (069)798-23702, Quiroga@psych.uni-frankfurt.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de

30.09.2009

Studie stellt Existenz dunkler Materie in Frage
(siehe auch den Beitrag: "Dunkle Materie" und Homöopathie)

Eine neue Beobachtung stellt die Astronomen vor Rätsel. Demnach scheint zwischen der Verteilung dunkler und sichtbarer Materie in Galaxien ein unerwarteter Zusammenhang zu bestehen. Die Studie erscheint in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift Nature. An dem internationalen Projekt war auch ein Gastwissenschaftler der Universität Bonn maßgeblich beteiligt. Seiner Meinung nach lassen die Beobachtungen nur zwei Schlüsse zu: Entweder die bisherigen Annahmen über die Natur der dunklen Materie sind in einem wichtigen Punkt falsch - oder es gibt die dunkle Materie gar nicht.
Galaxien rotieren so schnell, dass die Sterne in ihnen eigentlich aufgrund der Fliehkraft auseinander getrieben werden müssten. Das hat die Physikerin Vera Rubin schon vor 40 Jahren bei Untersuchungen des Andromeda-Nebels festgestellt. Eine rätselhafte Kraft scheint das jedoch zu verhindern. Viele Forscher vermuten daher, dass die so genannte dunkle Materie aufgrund ihrer Masseanziehung die Galaxien zusammenhält. Bislang hat jedoch niemand den mysteriösen Sternenkitt tatsächlich nachweisen können.

Das liegt auch daran, dass dunkle Materie unsichtbar ist. Nach der aktuellen Lehrmeinung kann sie im Prinzip nur auf eine einzige Weise mit "normaler" Materie interagieren: durch Gravitation, die Kraft also, die uns auf dem Boden hält. Ein europäisches Forscherteam hat nun jedoch eine erstaunliche Entdeckung gemacht, die dieses Paradigma in Frage stellt. "Die dunkle und sichtbare Materie in Galaxien scheinen sich auf eine rätselhafte Weise miteinander auszutauschen", erklärt Dr. Benoit Famaey. "Die dunkle Materie scheint irgendwie viel zu genau zu 'wissen', wie die sichtbare Materie in Galaxien verteilt ist."

Der Humboldt-Stipendiat absolviert momentan ein Forschungssemester in der Arbeitsgruppe des Bonner Physikers Professor Dr. Pavel Kroupa. Zusammen mit Kollegen aus Belgien, Schottland und Italien hat er berechnet, wie groß die Menge dunkler Materie in den inneren Regionen verschiedener Galaxien anhand der Beobachtungsdaten sein müsste. "Dabei haben wir eine Beziehung zwischen den beiden Materieformen festgestellt, die es eigentlich gar nicht geben dürfte", sagt er.

Merkwürdigerweise scheinen sich die Sterne im Zentrum großer Galaxien normal zu verhalten. Man kann sich eine kugelförmige Grenzfläche denken, die das Zentrum umschließt. Innerhalb dieser Grenzfläche braucht man die dunkle Materie gar nicht. Außerhalb verläuft der "Sternentanz" aber nicht mehr wie eigentlich erwartet. Das europäische Forscherteam hat nun die Größe der Grenzfläche zur Gesamtmasse der sichtbaren Materie in Beziehung gesetzt, die von ihr umschlossen wird. Erstaunlicherweise ist diese so genannte "Flächendichte" konstant - ein völlig unerwartetes Ergebnis. Man kann es nämlich so interpretieren, als würde die dunkle Materie erst ab einer bestimmten Beschleunigung nötig.

"Irgendetwas geht da vor, das nicht in das bisherige Paradigma passt", meint Benoit Famaey. Die Analysen legen seiner Meinung nach zwei mögliche Erklärungen nahe: Entweder sei die Interaktion zwischen normaler und dunkler Materie komplexer als bislang gedacht. Oder - und diese Lösung sei in vielerlei Hinsicht weit einfacher - die Gravitationsgesetze von Newton und Einstein müssten modifiziert werden. In den galaktischen Dimensionen würden dann größere Gravitationskräfte wirken. Der Israelische Wissenschaftler Mordehai Milgrom hatte diese Überlegung bereits 1983 angestellt. "Die jetzigen Beobachtungen decken sich genau mit dem, was Milgrom vorhergesagt hat", erklärt Professor Dr. Pavel Kroupa vom Bonner Argelander-Institut für Astronomie. "Sie sind ein weiterer eindrucksvoller Hinweis, dass die Newton'sche Gravitationstheorie so nicht stimmen kann."

"Unsere Analysen zeigen, dass die zusätzlich benötigten Gravitationskräfte sehr stark mit der Verteilung der sichtbaren Materie zusammen hängen", bestätigt Famaey. "Durch eine Modifikation der Gravitationstheorie ließe sich dieser Befund problemlos erklären - schließlich wäre dann die sichtbare Materie die einzige Quelle der Gravitation." Kroupa ergänzt: "Im Angesicht dieser Resultate scheint es immer deutlicher zu werden, dass die heute bekannte Physik der Galaxien und der Kosmologie ernsthafte Lücken aufweist."

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Kontakt:
Dr. Benoit Famaey
Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
jetzt: Observatoire Astronomique de Strasbourg, France
Telefon: ++32 (0)475/3839-82
E-Mail: benoit.famaey@astro.unistra.fr

Professor Dr. Pavel Kroupa
Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-6140 oder -3655
Mobil: 0177/9566127
E-Mail: pavel@astro.uni-bonn.de

11.08.2009

Gesunde Lebensweise senkt das Risiko für chronische Erkrankungen um 78 Prozent.
Potsdam-Rehbrücke - Wer niemals geraucht hat, nicht massiv übergewichtig ist, pro Woche mehr als dreieinhalb Stunden körperlich aktiv ist und sich gesund ernährt, hat im Vergleich zu einer Person, die sich gegenteilig verhält, ein um 78 Prozent vermindertes Risiko, chronisch zu erkranken. Detailliert betrachtet, sinkt bei einer solchen gesunden Lebensweise das Diabetesrisiko sogar um 93 Prozent und das Herzinfarktrisiko um 81 Prozent. Das Schlaganfallrisiko vermindert sich dabei immerhin noch um die Hälfte und das Krebsrisiko um 36 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer großen Potsdamer Langzeitstudie, die Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) leitet.
Neben Heiner Boeing hat auch der DIfE-Gastwissenschaftler Earl S. Ford vom National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion in Atlanta, USA, maßgeblich zur vorliegenden Untersuchung beigetragen. Die Forschergruppe veröffentlichte ihr Ergebnis in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Archives of Internal Medicine (Ford et al., 2009; 169:1-8).

Seit langem ist bekannt, dass der Lebensstil das Risiko für chronische Erkrankungen beeinflusst. Ziel der vorliegenden Studie war nun, die Einzel- sowie kombinierten Effekte der vier wohl einflussreichsten Lebensstilfaktoren zu untersuchen - nämlich den Raucherstatus, das Körpergewicht in Relation zur Körpergröße, den Aktivitätsstatus und die Ernährungsweise. Für ihre Berechnungen stuften die Wissenschaftler die folgenden Merkmale als risikosenkend ein: das Merkmal "niemals geraucht zu haben", ein Körpergewicht mit einem Body Mass Index (BMI)* unter 30 zu besitzen, mindestens dreieinhalb Stunden pro Woche körperlich aktiv zu sein und das Merkmal "sich gesund zu ernähren" - das heißt, mit vergleichsweise viel Obst, Gemüse und Vollkornbrot, aber wenig Fleisch.

Grundlage der Studienergebnisse waren Daten von 23.153 weiblichen und männlichen Studienteilnehmern der Potsdamer European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC). Im Schnitt waren die Frauen und Männer bei Studieneintritt 49,3 Jahre alt. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug etwa acht Jahre.

Neun Prozent der Studienteilnehmer erfüllten alle vier Kriterien einer gesunden Lebensweise. Nur vier Prozent der Probanden wiesen keine dieser positiven Merkmale auf. Den meisten Teilnehmern konnten die Wissenschaftler ein bis drei der Kriterienpunkte zuordnen. Generell galt: Je mehr der vier Merkmale die Teilnehmer aufwiesen, desto geringer war ihr Erkrankungsrisiko.

"Daneben untersuchten wir auch, welche Kombination der gesundheitsförderlichen Lebensstilmerkmale besonders günstig ist", sagt Heiner Boeing. "Wer einen BMI unter 30 aufweist, vermindert allein hierdurch sein Risiko chronisch zu erkranken um mehr als die Hälfte. Dies trifft besonders auf das Typ-2-Diabetesrisiko zu. Ist man dann auch noch sein Leben lang Nichtraucher, so vermindert sich das Risiko für chronische Erkrankungen sogar um 70 Prozent. Aber auch Raucher und Exraucher können ihr Risiko durch eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und ein normales Körpergewicht um bis zu 70 Prozent senken".

"Wie die Untersuchung zeigt, haben die Teilnehmer der Potsdamer EPIC**-Studie deutlich von einer gesunden Lebensweise profitiert. Dies belegt, wie wichtig es ist, eine gesunde Lebensweise im Rahmen einer effektiven Prävention chronischer Erkrankungen weiter in die Bevölkerung zu tragen und mit gesundheitspolitischen Maßnahmen zu unterstützen", so Boeing.

Hintergrundinformation:

Der *Body Mass Index, der auch kurz mit BMI bezeichnet wird, ist ein Richtwert, mit dem man das Körpergewicht beurteilen kann. Er berechnet sich, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körperhöhe teilt, die in Metern gemessen wird (Einheit: kg/m2).

Die **EPIC-Studie ist eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie mit mehr als 27.500 Studienteilnehmern/innen im Erwachsenenalter leitet Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).
Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes und Krebs.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500 Nachwuchswissenschaftler. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de

Kontakt:
Prof. Dr. Heiner Boeing
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49(0)33200-88 711
E-Mail: boeing@dife.de

Janine Kroeger
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49(0)33200-88 712
E-Mail: kroeger@dife.de

Dr. Gisela Olias
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49(0)33 200-88 278/335
Fax: +49(0)33 200-88 503
E-Mail: olias@dife.de
Weitere Informationen:


16.06.2009

Wichtige Ergebnisse beim Senologie-Kongress 2009: Diät und Bewegung können Brustkrebs verhindern helfen.
Frauen, die schlank und körperlich aktiv sind, erkranken seltener an Brustkrebs. Und bereits erkrankte Frauen, die auf ihr Gewicht achten und sich regelmäßig bewegen, haben größere Chancen, wieder gesund zu werden. Das sind zwei der wesentlichen Botschaften, die von der 29. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Düsseldorf ausgehen. Bei dem Kongress diskutierten rund 3.000 Experten verschiedener Fachrichtungen die neuesten Erkenntnisse rund ums Thema Brustkrebs.
"Regelmäßige Bewegung ist Prophylaxe und Therapie gleichermaßen", sagte Kongresspräsident Prof. Dr. Ulrich Kleeberg aus Hamburg. "Wir wissen seit Menschengedenken, dass körperliche Aktivität unser Befinden verbessert. Aber wir wissen erst seit einigen Jahren, dass Bewegung unser hormonelles System beeinflusst. Ein Zuviel an Hormonen wie dem Insulin, das auch bei Diabetes eine maßgebliche Rolle spielt, kann sowohl die Krebsentstehung begünstigen als auch das Krebswachstum fördern." Zum Beispiel steigert häufiger Genuss von Süßigkeiten die körpereigene Produktion von Insulin und so genannten Insulin-Wachstumsfaktoren und erhöht damit das Risiko, Brustkrebs zu bekommen - bei stark übergewichtigen Frauen sogar um das doppelte.
Eine Diät allein, das haben verschiedene Studien belegt, reicht zur Risikoreduktion nicht aus. Erst die Kombination aus regelmäßiger körperlicher Aktivität und begrenzter Kalorienzufuhr senkt den Blutzuckerspiegel und damit auch die Brustkrebsgefahr nachhaltig. Brustkrebs-Spezialisten empfehlen, fünf Mal wöchentlich für mindestens 30 Minuten aktiv zu werden. "Die Frauen müssen keinen Leistungssport betreiben. Zügiges Gehen ist sehr wirksam; aber auch schon Gartenpflege und die Arbeit im Haushalt haben ihren Effekt", sagt Prof. Kleeberg. Beim Essen ist es neuen Studien zu Folge unerheblich, ob Fette, Ballaststoffe oder Eiweiß eingespart wird - Hauptsache, die Kalorienzufuhr wird überhaupt begrenzt.
Bei bereits erkrankten Frauen hat der Lebensstil Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Weniger Essen und regelmäßige Bewegung können die Krebssterblichkeit und das Risiko, dass der Krebs nach erfolgreicher Behandlung wieder zurück kommt, um die Hälfte reduzieren. Prof. Kleeberg: "Damit hat eine gesunde Lebensführung praktisch die gleiche Wirksamkeit wie die modernen medikamentösen Behandlungsverfahren."

Behandlung in Brustzentren

In Deutschland gibt es inzwischen 230 zertifizierte Brustzentren, in denen Ärzte verschiedener Fachrichtungen (Gynäkologie, Radiologie, Chirurgie, Pathologie, Innere Medizin, Radioonkologie und Plastische Chirurgie) Patientinnen mit Brustkrebs behandeln. "Nur in solchen interdisziplinären Einrichtungen ist es möglich, die jeweils aktuellsten Erkenntnisse zu Diagnostik und Therapie, ihre Ursachenforschung, Früherkennung und Nachsorge in Kooperation mit den Selbsthilfeinitiativen zu bündeln", sagte Prof. Dr. Diethelm Wallwiener, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie und Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Tübingen. Der Erfolg, so Wallwiener, gebe den Initiatoren Recht: Über 80 Prozent der Brustkrebspatientinnen werden inzwischen in zertifizierten Zentren mit geprüfter Qualität behandelt - Tendenz steigend. "Die Frauen in Deutschland haben mit den Füßen abgestimmt", freute sich Prof. Wallwiener.

Mammographie-Screening erfolgreich

Das 2002 in Deutschland eingeführte Mammographie-Screening hat sich sehr erfolgreich entwickelt: 66 Prozent der Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die alle zwei Jahre per Post zu der Röntgenuntersuchung eingeladen werden, nehmen an der Früherkennungsuntersuchung teil. Mit dem Verlauf und Ergebnis der Untersuchung sind 90 Prozent so zufrieden, dass sie auch beim nächsten Mal wieder mitmachen wollen, 89 Prozent würden die Untersuchung auch einer Freundin oder Bekannten empfehlen. Das sind Ergebnisse einer ersten Studie, die von der Frauenselbsthilfe nach Krebs und der Women's Health Coalition (WHC) durchgeführt wurde. An der Befragung haben sich 3.226 Frauen beteiligt. "Wir haben aber gleichzeitig auch ein großes Wissensund Informationsdefizit bei den Frauen festgestellt", erklärte Hilde Schulte, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe. "Mehr als jede zweite von ihnen glaubte, dass mit dem Screening Brustkrebs verhindert werden kann. Das ist mit einer Untersuchungsmethode natürlich nicht möglich. Hier ist insgesamt noch viel Aufklärungsarbeit notwendig, aber wir befinden uns auf einem guten Weg."

Beste Versorgung weltweit

"Wir haben die beste Versorgung von Brustkrebspatientinnen auf der ganzen Welt!" Diese optimistische Auffassung vertrat Prof. Dr. Rolf Kreienberg, Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Leitlinien, die Ärzten eine qualitätsgesicherte Diagnose und Therapie ermöglichen und auch für Patientinnen verständlich sind, zertifizierte Brustzentren, ein Krebsregister und umfassende Nachsorgeprogramme (so genannte Disease Management Programme, DMP) seien die Eckpfeiler einer optimalen Betreuung von Brustkrebspatientinnen. "All das haben wir, die Strukturen sind da", so Prof. Kreienberg.

Pressekontakt
Deutsche Gesellschaft für Senologie
Pressestelle - Scantinental
Christian Wagner
Tollensestrasse 30, 14167 Berlin
Tel. ++49 (0)30 84 77 00-0
Mobil: 0172/300 68 73
Fax ++49 (0)30 812 00 80
E-Mail: senologie@scantinental.com
Internet: www.senologie.org

Stefanie Schlüter, Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Senologie
Weitere Informationen:

05.05.2009

Geschichte der Harnschau


Über Jahrhunderte hinweg waren Ärzte und Laien davon überzeugt, dass allein der Blick auf den Harn eines Menschen fast alle Krankheiten und selbst Schwangerschaften erkennen ließe. Mit der so genannten Harnschau und ihren Hintergründen befasst sich der Medizinhistoriker Professor Michael Stolberg von der Uni Würzburg in seinem neuen Buch.
Die Harnschau gehört zu den wichtigsten Diagnoseverfahren in der abendländischen Medizingeschichte: Vom ausgehenden Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert spielte sie in der ärztlichen Praxis und im Alltag der Menschen eine überragende Rolle, wie Michael Stolberg in der Einleitung schreibt: "Sie galt hochgelehrten Professoren ebenso wie einfachen Bauern als die beste Möglichkeit, die verborgenen Krankheitsprozesse im menschlichen Körper zu entschlüsseln."

Von Hippokrates ist der Lehrsatz überliefert, dass bei Patienten mit "durchscheinendem weißen Harn die Krankheit mühselig" verlaufe, was sich am meisten bei Hirnkranken zeige. Farbe und Konsistenz des Harns sowie Beimengungen, das waren die wichtigsten Anhaltspunkte für die Diagnose.

Unterschiedlich bewerteten die Ärzte zum Beispiel Beimengungen, die sich am Boden des Harnglases absetzten, in der Flüssigkeit schwebten oder an ihrer Oberfläche blieben. Letztere wurden bisweilen als Zeichen für Kopfkrankheiten gedeutet, erstere deuteten auf Leiden hin, die unterhalb der Rippen angesiedelt waren.

Mangelware: Historische Untersuchungen zur Harnschau

"Trotz der überragenden Bedeutung der Harnschau hat sich die jüngere medizinhistorische Forschung erstaunlich wenig für dieses Thema interessiert", so Michael Stolberg. Den besten Überblick biete bis heute ein Buch von Camille Vieillard aus dem Jahr 1903. Warum das so ist? Weil die Harnschau heute für Scharlatanerie und Quacksalberei steht. Weil die Auffassung vorherrscht, dass sie nichts zum medizinischen Fortschritt beigetragen, sondern ihn aufgehalten hat.

Stolberg hat trotzdem gute Gründe dafür, sich mit der Harnschau zu befassen: "Die moderne Medizingeschichte beschränkt sich nicht darauf, Fortschritt und Entdeckungen zu beschreiben. Vielmehr will sie die medizinischen Vorstellungen und Praktiken der Vergangenheit aus dem jeweiligen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Kontext heraus begreifen."

Darum geht es in seinem Buch nicht nur um die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung der Harnschau im medizinischen Alltag. Anhand von Texten und Bildern untersucht er auch die Gründe für das tiefe Vertrauen, das die Menschen über Jahrhunderte hinweg in die Harnschau hatten, und zeigt die Motive für die langsam erwachsende Kritik an der Harnschau auf.

Michael Stolberg: "Die Harnschau. Eine Kultur- und Alltagsgeschichte", Böhlau-Verlag Köln, Weimar, Wien 2009, 285 Seiten, gebunden, 26,90 Euro, ISBN 978-3-412-20318-4

Kontakt: Prof. Dr. Dr. Michael Stolberg, Institut für Geschichte der Medizin, T (0931) 31-83090, michael.stolberg@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit,
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

 

27.04.2009

 

Schröpfen: Klinische Wirksamkeit erstmals belegt

 

Eine gemeinsame Studie des Lehrstuhls für Naturheilkunde der Universität Duisburg Essen und der Carstens-Stiftung zeigt erstmals die Wirksamkeit des blutigen Schröpfens beim Karpaltunnel-Syndrom.

Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden unter nächtlichem Ruheschmerz der Hand, Taubheitsgefühlen und Kribbeln in Daumen, Mittel- und Zeigefinger (Brachialgie). Häufig diagnostiziert ist ein Karpaltunnel-Syndrom, welches in vielen Fällen mit Nackenschmerzen und Verspannungen im Schulterbereich assoziiert ist.
Die Forschergruppe um Professor Andreas Michalsen (vormals leitender Oberarzt in Essen, jetzt Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin) hat sich die kürzlich entdeckte Verbindung zur Schulter zunutze gemacht. In einer randomisierten kontrollierten Therapiestudie, die nun im „Journal of Pain“ veröffentlicht wurde, sind 52 Brachialgie-Patienten in zwei Gruppen unterteilt worden. Bei einer Gruppe wurde eine einmalige blutige Schröpfbehandlung im Schulterbereich durchgeführt, die Kontrollgruppe wurde mit einem Wärme spendenden Ingwersack behandelt.
Nach sieben Tagen Beobachtungszeit gingen die Beschwerden der Schröpfgruppe um 60 Prozent zurück, in der Kontrollgruppe lediglich um 23 Prozent. Neben verringerten Schmerzen in der Hand berichteten die Patienten über weniger Taubheits- und Kribbelgefühle, verringerte Nackenschmerzen und eine Verbesserung der funktionellen Beweglichkeit und physischen Lebensqualität.
Mehr als Placebo Die Erwartungen an den Erfolg der Therapie waren in beiden Gruppen gleich hoch, ein Indiz dafür, dass die Schröpfbehandlung über reine Placeboeffekte hinausgeht. Ernste Nebenwirkungen wurden in keiner der Gruppen beobachtet. Die Schröpfbehandlung wurde von den Patienten gut vertragen und nicht als schmerzhaft empfunden. Ungeklärt bleibt, ob die positiven Effekte über einen längeren Zeitraum anhalten.
Professor Michalsen erklärt sich den Wirkmechanismus wie folgt: „Die Behandlung basiert vermutlich auf dem Prinzip der aus der Anatomie bekannten Reflexzonen. Das Schröpfen fördert die Durchblutung und muskuläre Spannungslösung in einem bestimmten Areal, in dieser Studie im Schulterdreieck. Dies wiederum hat günstige reflektorische Effekte auf den betroffenen Nerv.“
Karpaltunnel-Syndrom
Der Karpaltunnel (Handwurzelkanal) ist eine kleine Vertiefung am Handgelenk. Durch diese wird, neben verschiedenen Sehnen, ein Nerv geführt, der vor allem die ersten drei Finger der Hand versorgt. Ist diese Leiterbahn verengt, entsteht Druck auf den Nerv, die Reizweiterleitung funktioniert nicht mehr störungsfrei und es kommt zu Missempfindungen, wie Kribbeln, Taubheit und Schmerzen. Neben einer mechanischen Überbeanspruchung der Hand können Verspannungen des Bindegewebes im Schulterdreieck Auslöser für eine Verengung des Karpaltunnels sein.
Konventionelle Behandlung
Die konventionelle Behandlung des Karpaltunnel-Syndroms besteht im Anlegen von Handgelenksschienen, der Gabe von oralen Entzündungshemmern oder der lokalen Injektion von Cortisonpräparaten. Helfen diese Interventionen nicht, wird meist ein operativer Eingriff empfohlen.
Blutiges Schröpfen
Beim blutigen Schröpfen werden die Schröpfköpfe an Hautstellen angesetzt, die zuvor mit einer kleinen Kanüle oder Lanzette eingeritzt wurden.
Pilotstudie
Die Ergebnisse aus Essen bestätigen eine Pilotstudie aus dem Jahre 2006. Die Studie wurde ebenfalls von der Carstens-Stiftung gefördert und in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin und dem Evangelischen Krankenhaus Rüdersdorf durchgeführt.

Ansprechpartner
Prof. Dr. Andreas Michalsen
Immanuel Krankenhaus Berlin
Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde der Charité/Berlin
Königstrasse 63
14109 Berlin
E-Mail: a.michalsen@immanuel.de
Tel.: 030 80505 691

Rainer Lüdtke
Karl und Veronica Carstens-Stiftung
Referat: Biometrie in der Komplementärmedizin
Am Deimelsberg 36
45276 Essen
E-Mail: r.luedtke@carstens-stiftung.de
Tel: 0201 56305 16

 

 

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